AnIannas Reise

Aus AnIannas Reise

AnIannas Reise ist ein Märchen; jedoch beginnt
es dort wo andere enden...das Happy End ist
Auftakt zu einer Geschichte, bei welcher die
weibliche Hauptfigur bei dem Streben nach Liebe
zu sich selbst findet.


Königin AnIanna lebt mit ihrem Mann, König Ermano und ihrer gemeinsamen Tochter glücklich in ihrem Märchenschloss bis ein böser Zauberer, Herr Deubel, mit einem Zauberbuch die Begierde des Königs nach diesem Buch erweckt. Der König verpfändet das Königreich an den bösen Zauberer und gerät in den Bann der Dunkelheit. Unter Gefahr für ihr Leben sind Königin und Tochter bereits aus dem Schloss geflohen, da anscheinend König und Königreich nicht mehr zu retten sind.

Nachdem sie einen ganzen Tag lang, voller Traurigkeit und Verzweiflung weitergeritten war, brach plötzlich ein grässliches Unwetter über AnIanna herein. Dunkelheit fiel über das Land, als lege der Himmel persönlich einen düsteren Trauerschleier über das verlorene Königreich. Die Luft wirkte seltsam dick, schwer und drückend. AnIanna fiel es regelrecht schwer zu atmen und kalter Schweiß lief ihr in Eisbächen die Stirn und den Rücken hinunter. Irgend etwas bahnte sich an. Man konnte sie regelrecht anfassen, so schwer lag die Spannung in der Luft. Der Hengst, den AnIanna ritt, spürte die seltsame Atmosphäre und tänzelte unruhig. AnIanna versuchte sich an ihn zu klammern und ihn zu beruhigen, aber es war bereits zu spät: Er scheute und stieg auf die Hinterhufe als ein ganz besonders tiefer, ohrenbetäubender Donner ertönte. AnIanna verlor das Gleichgewicht und fiel vom Pferd. Während ein stechender Schmerz durch ihren Körper zuckte, galoppierte der völlig verängstigte Hengst auf und davon.
AnIanna rappelte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Ein solches Unwetter hatte sie noch nie erlebt. Sie hatte völlig die Orientierung verloren und da sie nicht wusste, wo sie sich befand, war ihr auch kein schutzbietender Unterschlupf bekannt, in dem sie sich während des furchteinflößenden Unwetters hätte verstecken können. Hagel, Sturm, Blitz und Donner tobten um AnIanna herum, die immer wieder schluchzend stolperte und stürzte, nur um so schnell wie möglich wieder aufzuspringen und weiterzulaufen. Sie kam sich vor wie ein gejagtes Tier, das in Panik davonläuft, vom reinen Überlebensinstinkt getrieben.

Während Blitz und Donner über das Land zuckten, saß König Ermano, sich mittlerweile seit einem Tag und einer Nacht in diesem seltsamen Traumwandlerzustand befindend, in der Halle seines Schlosses auf seinem Thron und hielt das böse, schwarze Buch umklammert.
Plötzlich durchlief ein Schauer den Körper des Königs; eckig und ungelenk erhob er sich und ging zur Feuerstelle. Die Flammen waren bereits seit vielen Stunden erloschen und die Asche lag kalt im Kamin. König Ermano griff nach den neben der Feuerstelle aufgestapelten Holzscheiten sowie den bereitliegenden Zündhölzern und begann Feuer zu machen. Erst schien es, als wolle dieses gleich wieder erlöschen, aber nach einem kurzen Aufglimmen der Flammen fingen die Scheite doch knisternd an zu brennen.
Derweil betrat der Zauberer böse frohlockend die Halle und ging zum leerstehenden Thron. "Wie ich sehe habt ihr endlich den Platz für mich geräumt", tönte seine Stimme laut durch den großen, leeren Raum. Mit einem zynischen Lachen, dass schrill und befremdlich durch den Saal hallte, ließ sich der Schwarzmagier auf dem Thron nieder.
König Ermano schien von all dem nichts wahrzunehmen. Er griff nach einem weiteren Holzscheit und legte ihn in den Kamin. Die Flammen leckten gierig an dem brennbaren Material entlang und ihre Schatten zauberten fast so etwas wie Leben in das Antlitz des Königs. Wieder griff er zum Holzstoß, nahm das dort abgelegte schwarze Buch und warf es unbeteiligt in die Flammen als sei es ein weiteres Stück Kaminholz.
"Nicht, du Narr!" schrie der Zauberer drohend und stürzte Richtung Kamin. "Willst du uns alle vernichten?" Aber es war bereits zu spät, die Flammen griffen schon nach dem Buch und das uralte, trockene Papier fing sofort lichterloh an zu brennen. Der Zauberer brach auf der Hälfte der Strecke zum Kamin in die Knie, während die Wände des Schlosses wackelten als rüttele ein Riese an einem Spielzeughaus. Deubel hob mit letzter Kraft seinen Zauberstab und richtete ihn auf den reglos dastehenden König. "Finio", krächzte der Zauberer mit ersterbender Stimme, bevor er endgültig zusammenbrach und einstürzende Mauerteile auf seinen Körper niederprasselten. Sowohl das Buch als auch der Zauberer zerfielen im selben Moment zu Asche; der Bannspruch des sterbenden Zauberers hatte den König jedoch noch getroffen und dieser verwandelte sich in einen Waldkauz. Verwirrt, mit den ungewohnten Flügeln um sich schlagend, taumelte dieser in den Kamin und flog ihn empor während die Flammen mit ihren heißen Feuerfingern versuchten ihn zu verschlingen und schließlich das gesamte Schloss mit einem riesigen Getöse zu einem Haufen Schutt zusammenstürzte.

In einer Hütte auf einer einsamen Waldlichtung einige Tagesreisen vom soeben eingestürzten Schloss entfernt saßen und standen drei Frauen um eine Feuerstelle herum; die Älteste strickte, die Mittlere rührte in einem über dem Feuer hängenden Kessel und die Jüngste legte gerade Holz nach, als es einen ohrenbetäubenden Knall gab und ein kleiner Waldkauz durch den Kamin herein taumelte und mit angesengten Flügeln mehr tot als lebendig auf dem Teppich vor der Feuerstelle liegen blieb. Die kleine Brust hob und senkte sich kaum noch merklich.
"Oh, der Ärmste", sagte die jüngste der drei Frauen und hob den verletzten Vogel sachte auf. Ihre Mutter drehte sich fragend zur Älteren um: "Sollen wir denn? Genau genommen gehört er ja bereits dir." Die Alte wiegte bedächtig ihren Kopf hin und her und murmelte vor sich hin: "Hm, ich weiß nicht recht, er hat es doch schon beinahe hinter sich." Dann seufzte sie und brummte: "Na meinetwegen, sei´s drum. Soll das Rad sich halt weiterdrehen."